Wie das Abenteuer begann...

Es war kurz nach unserer Hochzeit im Mai 2016, als der Wunsch in uns reifte, ein zweites Standbein aufzubauen, um vielleicht irgendwann unsere bisherigen Jobs sausen lassen zu können und etwas zu machen, dass uns beiden Freude bereitet und wofür man gerne jeden Morgen aufsteht. Wir kamen schnell überein, dass etwas in Verbindung mit Urlaub und Tieren nicht verkehrt wäre. Unsere Tendenz ging erst in Richtung Ferienwohnung mit Hund (als Windhundesitzer mit 3 Hunden war Familienurlaub immer eine kleine Herausforderung) und dann entdeckte ich zufällig während der Arbeit eine Seite von Jochen Schweizer, auf der Wanderungen mit Alpakas angeboten wurden. Ich hatte zwar schon mal gehört, dass zumindest mit Lamas als Packtieren gearbeitet wurde, aber entspanntes Wandern durch die Natur mit diesen plüschigen Gesellen war auch mir neu. Und so recherchierte ich, was für die Haltung von Neuweltkameliden, denn dazu gehören Lamas und Alpakas, notwendig ist. Dann wurde beratschlagt und die Idee für gut befunden, einen Ferienhof, auf welchem Hunde gestattet waren und die Gäste die Möglichkeit hätten, mit Lamas und Alpakas wandern zu gehen.

Bis dato hatten wir in einem großzügigen Einfamilienhaus in Cunnersdorf (Glashütte) gewohnt. Dieses bot aber nicht einmal im Ansatz die Möglichkeit zur Verwirklichung unseres Traumes. Ein Hof in der Sächsischen Schweiz sollte es werden und so durchforsteten wir die gängigen Immobilienportale im Internet und engagierten nebenher einen Makler der unsere damalige Immobilie verkaufen sollte. Wir mussten sehr schnell feststellen, dass es schwer, nahezu unmöglich war, in der Sächsischen Schweiz einen geeigneten Hof zu finden. Meist waren die Ländereien zu klein geraten; was wollten wir mit einem Hof mit gerade mal 5.000 qm? Das erste Objekt unserer Begierde war ein ehemaliger Reiterhof in der Nähe von Sebnitz, der aktuelle Besitzer – ein Niederländer– wollte zurück in die Heimat und suchte nun einen Abnehmer. Leider ergaben sich schon nach kurzer Zeit viele Ungereimtheiten was den Umfang des Objektes und die Eigentumsverhältnisse anging und so entschieden wir uns gegen den Reiterhof. Das Suchgebiet wurde erweitert - meinem Mann war es eigentlich fast egal wo, da er als Vertriebler eh die meiste Zeit mit dem Auto unterwegs war. Nur mir war es wichtig, dass die Immobilie in einem zumutbaren Radius zu meiner jetzigen Arbeit in Dresden lag und das waren maximal eine Stunde Fahrt pro Strecke. Wir verglichen, was die Immobilien im Schnitt mit 250 m² Wohnfläche und ca. 1,5 ha Land kosteten. Es gab schon sehr schöne Höfe in Sachsen, darunter auch unser jetziges Objekt. Das Expose alleine haute uns schon fast aus den Latschen, aber: die Lage, die Lage, die Lage! 1,5 Stunden Fahrt, also 3 insgesamt und das jeden Tag für mich bis nach Dresden oder noch eine neue Arbeit finden. Nein, das Objekt wurde von der Liste gestrichen. Unser Makler empfahl uns die Gemeinden anzuschreiben, die mussten ja schließlich wissen, ob es geeignete alte Höfe gab oder einer ihrer Landwirte in den Ruhestand ging und einen Nachfolger für seinen Hof suchte. Wir bekamen fast von jeder Gemeinde in der Sächsischen Schweiz zeitnah Rückmeldung. Leider waren nur zwei dabei, die weiterhelfen konnten. So bekamen wir Kontakt zu einem Verkäufer in Putzkau und zu einem Büro, dass sich auf die Fahne geschrieben hatte Heimkehrer und Leute, die in der Region in und um Sebnitz leben und arbeiten wollten, zu unterstützen. Der Hof in Putzkau stellte sich langfristig als zu klein heraus und es hätte auch zu viel Kosten verursacht, das Wohnhaus um- und auszubauen. In Sebnitz fanden wir ein Objekt, dass in die engere Auswahl kam. Das Wohnhaus war fertig saniert und es gab knapp 1,5 ha Grünland dazu und der Preis war „erträglich“. Auch unsere Eltern waren von dem Haus recht angetan. Sorgen bereitete uns aber eine baufällige Holzscheune und Feuchtigkeit in einer der künftigen Ferienwohnungen. Über drei Ecken bekamen wir schlussendlich mitgeteilt, dass sich Salpeter im Gemäuer befände und man lieber die Finger vom Objekt lassen sollte. Wir standen wieder bei Null. Ein freudiges Ereignis gab es allerdings Mitte September – ich war mit unserem Sohn Thorin schwanger. Ende September besuchten wir einen Sachkundekurs mit Prüfung durch einen Amtstierarzt zur Haltung und Pflege von Alpakas (Ein großes Dankeschön an die Alpakas vom Silberberg und Pia Schindler für den spannenden Tag). Eine Hürde weniger auf unserer To-Do Liste. Mittlerweile befanden wir uns im November und hatten uns schon unzählige Immobilien angesehen, trotz großer Kompromissbereitschaft unsererseits, wollte immer irgendetwas nicht passen. Entweder waren die Ländereien zu klein, zu abgelegen vom eigentlich Hof, die Raumaufteilung schlecht, die Decken zu niedrig, die Sanierungskosten zu hoch, der Kaufpreis monströs oder der Fahrtweg zu lang. Ein kleiner Lichtblick: wir hatten einen Käufer für unser Haus gefunden – es wurde vereinbart, dass wir ab 01.04. spätestens das Haus übergeben mussten. Machte für uns also noch „reichliche“ 4 Monate eine neue Bleibe zu finden. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass man als werdende Mutter dann schon ziemlich nervös wird, ob das „Nest“ rechtzeitig fertig werden würde. Von der Familie kam der Vorschlag, erst einmal in einer Mietwohnung unterzukommen, bis ein geeigneter Hof zur Verfügung stünde – nicht gerade erfreuliche Aussichten. Der Umzug würde gutes Geld und Nerven verschlingen. Dann stünde die Geburt ins Haus und ob dann noch der Wille und die Kraft da wären, den Traum vom Hof anzupacken? Vermutlich nicht… Oder erst wenn die Kinder älter wären. Nur möchte man dann mit 40 noch ein solches Wagnis beginnen? Dann wurde ein schöner 3-Seitenhof in Lichtenberg preisgesenkt, so dass er auf einmal fast ins Budget passte. Eine Besichtigung war schnell vereinbart und der erste Eindruck positiv. Mit über 300 m² Wohnfläche und knapp 7 ha Land nahezu ideal. Auch wenn die Lage nicht ganz optimal war und die Verkäufer nicht bereit, noch weiter im Preis herunter zu gehen. Es wurde ein weiterer Besichtigungstermin vereinbart. Die Stimmung war immer noch positiv. Nach Rücksprache mit der Bank wurde auch der Kaufpreis bewilligt. Ein Notar wurde beauftragt und kurz danach der erste Vertragsentwurf besprochen. An dieser Stelle gingen die Ansichten von den Verkäufern und uns leider stark auseinander. Diese wollten frühestens Ende September 2017 ausziehen und dazu noch mietfrei im Hauptgebäude wohnen bleiben, während wir einen unsanierten Teil zum Weiterausbau zum Überbrücken der Zeit bekommen hätten – mit einem Säugling völlig unzumutbar! Und dann schwang plötzlich noch mit, dass die ortsansässige Agrargenossenschaft durchaus von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch machen würde, was uns mindestens die Hälfte der Flächen gekostet hätte. Auf unseren Wunsch, die dazugehörigen Flurstücke preislich auch einzeln zu bewerten, so dass wir im schlimmsten Fall nur das Flurstück mit dem Hof und 2 ha Land, die unmittelbar anlagen, erworben hätten und den Rest die Agrargenossenschaft, wurde nicht eingegangen. Es wurde weiterhin auf eine Gesamtkaufsumme beharrt. Das war der Genickschlag für uns. Das Risiko war zu groß, für den gleichen Preis nur die Hälfte zu bekommen. Wir waren von den Verkäufern und dem Makler ziemlich enttäuscht. Das ganze Prozedere hatte sich jetzt schon bis Mitte Dezember hingezogen. Für den Kaufvertragsentwurf wurden wir vom Notariat natürlich auch nochmal ordentlich zur Kasse gebeten. Eine Beteiligung an den Kosten von den Verkäufern natürlich abgelehnt. Allmählich kam die Verzweiflung auf. Waren wir zu blauäugig an die Sache gegangen? Hätte man erst eine neue Immobilie suchen müssen und dann die alte abstoßen sollen? Welche Bank hätte das aber mitgemacht? Im schlimmsten Fall hätten wir 2 Kredite bedienen müssen. Konnte also auch nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Wir erweiterten unseren Suchradius nun auf ganz Sachsen. Die Sächsische Schweiz war schließlich nicht der einzige hübsche Fleck Erde hier in Sachsen. Und da war es noch: das Exposé, dass uns schon zu Anfang so gut gefallen hatte. Natürlich noch immer zu weit entfernt von Arbeit und Familie. Aber hey, alles andere schien auf den ersten Blick hin zu passen. Knapp 300 m² Wohnfläche, ein bildschönes Umgebindehaus und 2,9 ha Land, davon ein eigener kleiner Wald und ein Miniteich. Am 24.12.2016 hatten wir vormittags einen Termin mit der Maklerin für den 4-Seitenhof in Kiesdorf. Wir waren nach der Besichtigung noch immer total begeistert von dem Hof. Er bot so viel Potential und die Nähe zum Berzdorfer See war ein weiterer Vorteil – wozu die Sächsische Schweiz, wenn man einen schönen, großen Tagebausee in der Nähe hat? Zugegeben, im grau des Winters, sah die Landschaft rund um den Hof noch recht trübe und trist aus. Aber der Winter würde ja nicht ewig anhalten. Wir schliefen noch ein paar Nächte darüber, aber uns war eigentlich nach der Besichtigung schon klar, dass das unser neues Zuhause werden würde. Am 20.03.2017 rollte dann der Umzugswagen von Cunnersdorf nach Kiesdorf. Der offizielle Notartermin fand dann zwar erst Anfang Juni 2017 statt, da von der Vorbesitzerin noch einige Unterlagen fehlten. Aber über eine Nutzungsvereinbarung konnten wir schon vorher einziehen. Wir wurden von den Kiesdorfern sehr herzlich aufgenommen. In ganz besonders lieber Erinnerung verbleibt uns unser Nachbar Eberhard Günther, der leider viel zu früh von dieser Welt ging. Er wusste so viele Sachen und Begebenheiten zu unserem Hof; war er doch hier in diesem Haus geboren und aufgewachsen.

Am 18. Mai 2017 erblickte dann unser Sohn Thorin Alexander in Zittau das Licht der Welt. Im Juni 2017 absolvierte Tobias dann seinen Sachkundekurs zur Alt- und Neuweltkamelidenhaltung in der Kisselmühle im schönen Rheingau bei Familie Messing. Schließlich hatten wir uns jetzt auch in den Kopf gesetzt, Trampeltiere zu halten: die größeren Verwandten der Lamas und Alpakas. Im November wurde dann der Hof von den Sachen der Vorbesitzerin beräumt und wir konnten endlich mit dem Ausbau der Stallungen beginnen. Dezember 2017 zogen dann unsere ersten beiden Lamas Alicia und Nugget bei uns ein.

 

 

Den weiteren Werdegang unseres Hofes finden Sie unter News